Archiv der Kategorie: Architektur

Stadiumworlds – Football, Space and the Built Environment

Ringvorlesung (2006) und Buchprojekt (2010), zusammen mit Sybille Frank

Fußball zählt zu den populärsten Sportarten weltweit und wird an den unterschiedlichsten Orten gespielt: auf der Straße, auf Bolzplätzen, in Parks, auf abgegrenzten Spielfeldern, in Turnhallen und – im Stadion. Während die meisten dieser Orte nur so lange ein »Fußballort« sind, wie dort tatsächlich Fußball gespielt wird, »verkörpern« Stadien diesen Sport auch jenseits seiner direkten Aufführung.

Das Ziel von Stadium Worlds war es, Fußball als sozio-kulturelle Praxis zu beleuchten und das Zusammenspiel dieser Praxis mit ihrer gebauten Umwelt genauer unter die Lupe zu nehmen. Dafür haben wir eine Doppelperspektive entwickelt: Zum einen lassen sich Fußballstadien hervorragend für gesellschaftsdiagnostische Analysen heranziehen – in ihnen verdichten sich architektonische, ökonomische und gesellschaftliche Trends wie unter einem Brennglas. Zugleich fungieren sie als »Reservate«, denn in ihrem Inneren sind Handlungsweisen und Geschlechterkonstruktionen möglich, die außerhalb als nicht (mehr) akzeptabel gelten.

Das Projekt Stadium Worlds begann als interdisziplinäre Ringvorlesung im Sommer 2006 am Institut für Soziologie der TU Darmstadt und resultierte 2010 im Buch Stadium Worlds – Football, Space and the Built Environment (New York/London: Routledge). In Vorlesung und Buch sind Beiträge aus den Bereichen Architekturtheorie, Medienwissenschaft, Archäologie, Literaturwissenschaft, Philosophie und Soziologie versammelt, die sich mit Themen wie Werbung, Migration, Fankulturen, lokalen Identitäten, Gefühlen, Körper und Geschlecht auseinandersetzen.

Download: Flyer Ringvorlesung

Link zum Verlag

Wissenssoziologische Architekturforschung

Habilitationsprojekt: 10/2007–04/2013

Émile Durkheim zufolge besteht die »erste und grundlegendste Regel« soziologischen Denkens darin, die sozialen Tatsachen »wie Dinge zu betrachten«. Was aber passiert, wenn man diese Perspektive umdreht und die (gebauten) Dinge als soziale Tatsachen begreift?

Die in meinem Habilitationsprojekt entwickelte wissenssoziologische Architekturtheorie schließt an die Argumentation an, die Peter L. Berger und Thomas Luckmann 1966 in »The Social Construction of Reality« entwickelt haben. Laut Berger und Luckmann basiert die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit auf einem dialektischen Zusammenspiel von Externalisierung, Objektivation und Internalisierung. Sie zeigen, dass die Wirklichkeit, in der wir leben, eine ist, die erstens in kollektiven Handlungen hervorgebracht wird, dass uns diese Wirklichkeit zweitens als Tatsache – und damit im Durkheim’schen Sinne »dinghaft« – gegenüber steht und dass wir sie drittens in unser subjektives Bewusstsein übernehmen müssen, um überhaupt ein Teil dieser Wirklichkeit zu werden. Während sich Berger und Luckmann auf die Untersuchung der immateriellen Aspekte dieses Prozesses konzentrieren, zeigt die von mir entwickelte wissenssoziologischen Architekturtheorie, welche Rolle »materielle Objektivationen« – und im speziellen Gebäude – dabei spielen. 

Download: Leseprobe: Der sinnhafte Aufbau der gebauten Welt